Copilot Agents im Frontier-Programm: Was heute schon geht
Mit Copilot Wave 3 hat Microsoft den Schritt vom Assistenten zum Agenten vollzogen. Im Frontier-Programm steht bereits eine ganze Reihe an Copilot Agents zum Testen bereit – vom Workflow-Builder über Cowork bis zum Sales Development Agent. Dieser Artikel gibt einen Überblick, was aktuell verfügbar ist, was die Agents können und wofür sich der Einstieg ins Frontier-Programm lohnt.
Was ist das Frontier-Programm?
Das Frontier-Programm ist Microsofts Early-Access-Initiative. Teilnehmer erhalten vorzeitigen Zugang zu neuen Copilot-Funktionen und Agents, die sich noch im Preview-Status befinden. Im Gegenzug liefern sie Feedback an die Produktteams und helfen, die nächste Generation der Workplace-AI mitzugestalten. Voraussetzung ist eine aktive Microsoft 365 Copilot Lizenz und die Anmeldung zum Frontier-Programm über das Microsoft Adoption Portal.
Wichtig zu wissen: Frontier-Features sind explizit als Preview gekennzeichnet. Funktionsumfang, Verfügbarkeit und Datenverarbeitung können sich ändern. Für produktive Workloads in regulierten Umgebungen gilt daher: Testen ja, produktiv einsetzen nur mit klarer Governance-Bewertung.
Die aktuell verfügbaren Copilot Agents
Workflows Frontier Agent
Der Workflows Agent ist der vielleicht interessanteste Einstieg. Statt eine Power-Automate-Flow manuell zusammenzubauen, beschreibt man in natürlicher Sprache, was passieren soll – Copilot generiert den Workflow und führt ihn aus. Ein Beispiel: „Jeden Werktagmorgen meine ungelesenen E-Mails zusammenfassen und mir als Teams-Nachricht schicken. Wenn ich auf eine Mail drei Tage nicht reagiere, erinnere mich."
Der Agent ist bewusst auf persönliche Produktivitäts-Automatisierung beschränkt – nicht auf Team-Workflows oder Enterprise-Prozesse. Unterstützt werden aktuell Outlook, Teams, SharePoint Online, Planner und Approvals. Der volle Power-Automate-Connector-Katalog steht nicht zur Verfügung, und einmal erstellte Workflows lassen sich nicht in Power Automate weiterbearbeiten.
Copilot Cowork
Cowork ist seit Ende März 2026 im Frontier-Programm verfügbar und setzt auf eine andere Liga. Hier geht es um mehrschrittige, langlaufende Aufgaben. Der Nutzer beschreibt das gewünschte Ergebnis, Cowork erstellt einen Plan, arbeitet ihn über verschiedene Tools und Dateien hinweg ab und zeigt den Fortschritt sichtbar an – mit der Möglichkeit, jederzeit einzugreifen und zu steuern.
Cowork basiert technisch auf der Claude-Cowork-Plattform von Anthropic, die Microsoft in Copilot integriert hat. Für EU-Tenants ist das ein kritischer Punkt: Die Anthropic-Modelle fallen nicht unter die EU Data Boundary und sind in EU-, EFTA- und UK-Tenants standardmäßig deaktiviert. Wer Cowork in einem deutschen Tenant testen will, muss das aktiv und mit klarer Compliance-Bewertung entscheiden.
Word, Excel und PowerPoint Agents
Die Office Agents in Copilot Chat ermöglichen es, hochwertige Dokumente, Tabellen und Präsentationen iterativ im Chat zu erstellen – anstatt einen One-Shot-Text zu generieren. Der Agent stellt Rückfragen, passt das Ergebnis schrittweise an und liefert am Ende eine Datei, die im jeweiligen Office-Format weiterbearbeitbar ist. Für die Office-Apps selbst gibt es parallel den Agent Mode, der dieselbe iterative Logik direkt im Dokument ermöglicht.
Sales Development Agent
Ein spezialisierter Agent für Vertriebsteams. Er übernimmt die Vorqualifizierung von Leads, pflegt Informationen in Dynamics 365 und liefert dem Vertrieb vorbereitete Gesprächsgrundlagen. Die Integration läuft über Dynamics 365, die Konfiguration über Copilot Studio.
Facilitator Agent in Teams
Der Facilitator ist ein Meeting-Agent, der die Agenda strukturiert, Notizen macht, den Zeitrahmen im Blick behält und Action Items zuordnet. Er ist mittlerweile generell verfügbar und kein reines Frontier-Feature mehr – gut für einen ersten Einstieg in die Agent-Welt, weil ohne Preview-Einschränkungen nutzbar.
Researcher mit Computer Use
Researcher ist ein Deep-Research-Agent, der mehrere Quellen auswertet und strukturierte Analysen erstellt. Die neue Critique-Funktion nutzt dabei zwei Modelle parallel – eines erstellt den Entwurf, ein zweites prüft und verfeinert ihn. Mit Computer Use kann Researcher zusätzlich Webseiten und Tools aktiv ansteuern, um Informationen zu sammeln.
App Builder Agent
Der App Builder verwandelt Ideen in funktionale Apps innerhalb von Microsoft 365 – ohne dass der Nutzer Code schreiben muss. Anwendungsfälle sind typischerweise kleine Tracking-Apps für Trainings, Feedback oder interne Aufgaben.
Agent Mode in den Office-Apps
Parallel zu den dedizierten Agents hat Microsoft den sogenannten Agent Mode in Word, Excel und PowerPoint eingeführt. Der Unterschied: Agent Mode lebt direkt im Dokument, während die Office Agents in Copilot Chat arbeiten. Agent Mode ist damit der natürliche Einstiegspunkt für alle, die in ihrem gewohnten Arbeitsumfeld bleiben wollen.
In Excel ist Agent Mode besonders interessant, weil er komplexe Analysen über mehrere Schritte hinweg aufbaut – von der Datenvalidierung über die Formelerstellung bis zur Visualisierung. In PowerPoint kann Agent Mode eine komplette Präsentation aus einem Briefing ableiten, inklusive Layout und Sprachstil.
Modellvielfalt: Claude neben OpenAI
Eine der wichtigsten Änderungen von Wave 3 betrifft nicht die Agents selbst, sondern die dahinterliegenden Modelle. Copilot ist jetzt „model diverse by design": Neben den OpenAI-Modellen stehen über das Frontier-Programm auch Anthropic Claude Modelle im Mainline Chat zur Verfügung. Copilot wählt automatisch das passende Modell für die jeweilige Aufgabe.
Für EU-Tenants ist das wieder der kritische Punkt: Anthropic-Modelle unterliegen nicht der EU Data Boundary und sind in EU-Tenants standardmäßig deaktiviert. Wer sie nutzen will, muss das explizit aktivieren – und das Verarbeitungsverzeichnis entsprechend anpassen.
Was Agent 365 damit zu tun hat
Je mehr Agents in einem Tenant laufen, desto wichtiger wird die Frage, wer davon eigentlich Überblick hat. Hier kommt Agent 365 ins Spiel – die Control Plane, die jedem Agent eine eigene Entra-Identität zuweist, Zugriffsrechte verwaltet, Audit-Trails schreibt und Compliance-Scopes definiert. Agent 365 ist der Grund, warum Microsoft mit der E7-Lizenz einen eigenen Tier eingeführt hat.
In der eigenen Microsoft-Telemetrie laufen mittlerweile über 500.000 Agents – mit mehr als 65.000 Antworten pro Tag. Die am häufigsten verwendeten Agents sind in den Bereichen Research, Coding, Sales Intelligence, Customer Triage und HR Self-Service unterwegs. Das gibt einen guten Hinweis darauf, wo der tatsächliche Produktivitätshebel liegt.
Für regulierte Unternehmen: Empfehlungen
- Frontier-Teilnahme bewusst entscheiden. Nicht jeder Tenant sollte am Frontier-Programm teilnehmen. Für KRITIS-, Banken- und Versicherungskunden ist eine vorherige Bewertung der Preview-Features durch Compliance und Datenschutz sinnvoll.
- Mit einfachen Agents starten. Facilitator und Agent Mode in den Office-Apps sind die risikoärmsten Einstiegspunkte. Workflows und Cowork brauchen mehr Vorbereitung.
- EU Data Boundary prüfen. Vor dem Aktivieren der Claude-Integration oder von Cowork muss klar sein, ob die Anthropic-Verarbeitung compliance-seitig akzeptabel ist.
- Agent 365 mitdenken. Wer produktiv Agents einsetzt, braucht eine Governance-Schicht. Agent 365 standalone liegt bei 15 Euro pro Nutzer und Monat, oder im E7-Bundle enthalten.
- Sensitivity Labels und DLP als Voraussetzung. Ohne Datenklassifizierung und DLP sind Agents ein unkalkulierbares Risiko. Die Grundlagen sollten vor dem Agent-Rollout stehen.
• Microsoft 365 Blog: Powering Frontier Transformation with Copilot and agents
• Microsoft 365 Blog: Copilot Cowork: Now available in Frontier
• Frontier-Programm: Microsoft Adoption – Frontier program
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